Geistliches
Wort zu Ostern 2004
Unser Leben hat gute
Aussichten
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß
es in der Schöpfung Gottes das absolute Dunkel nicht gibt? Bewußt
geworden ist
mir das im Heiligen Land. Den Sonnenaufgang auf Massada am Toten Meer
wollten
wir erleben. Noch in tiefer Nacht kamen wir frühmorgens am Fuße des
Berges an.
Als wir aus dem Bus stiegen, war es noch wie man so sagt – stockdunkel.
Taschenlampen blitzten auf. Höflich bat unser Reisebegleiter, die
Lichter
auszumachen. Wir würden ohne Licht Massada problemlos ersteigen. Und er
hatte
recht: Die Augen gewöhnten sich allmählich an das Dunkel, und die
Dunkelheit
verlor ihre Härte. Die Konturen der Menschen um uns wurden ebenso
sichtbar, wie
der Weg, der sich den Berg hinauf- schlängelte. Und wir sind wirklich
noch in der
Tiefe der Nacht, ohne jegliches künstliche Licht, den Berg Massada
heraufgestiegen, um dort dann den Aufgang der Sonne zu erleben.
Das ist mir bewußt
geworden: In der
Schöpfung Gottes gibt es das absolute Dunkel nicht. Es gibt immer
Lichtblicke,
die das Dunkel durchdringen; es gibt immer Hoffnungszeichen, die über
einem
noch so dunklen Lebensweg eines Menschen stehen. Es gibt immer den
Sternenhimmel über uns, auch wenn er manchmal von dunklen Wolken
verhangen ist und
wir ihn nicht sehen. Das absolute Dunkel gibt es in der Schöpfung
Gottes nicht.
Deshalb konnte auch Jesus nicht im
Dunkel des Grabes bleiben, in das er Kar- samstag gelegt worden war. In
der
Welt Gottes gibt es nicht das absolute Nichts; es gibt kein Ende, aus
dem nicht
ein neuer Anfang werden könnte.
Diese Erfahrungen machen die Frauen am
Grab. Diese Erfahrungen machen die Jünger, die von den Frauen über das
ungeheure Auferstehungsgeschehen informiert werden. Da, wo Menschen
meinen,
alles sei zu Ende, Hoffnung und Lichtblicke seien nicht mehr zu
erwarten, da
geschieht immer wieder das Unerwartete und nicht Erhoffte. Das Licht
besiegt
das Dunkel, das Leben besiegt den Tod.
Wenn in einen erleuchteten Raum die
Dunkelheit der Nacht bricht, wird der Raum kaum dunkler. Die Dunkelheit
kann
das Licht nicht verdrängen. Wenn in einen dunklen Raum ein heller
Lichtstrahl
fällt, dann fängt das Dunkel an zu leuchten. Das Licht ist stärker als
die
Dunkelheit, das Leben stärker als der Tod. Das ist die Osterbotschaft,
die
uns erreichen möchte.
In der Schöpfung Gottes gibt es das
absolute Dunkel nicht. Es sei denn, ich selber lasse keinen
Lichtstrahl, keinen
Hoffnungsschimmer an mich heran. Dann ist selbst Gott machtlos.
Ostern möchte uns die Erfahrung
schenken: Unser Leben hat gute Aussichten, denn in der Schöpfung Gottes
gibt es
das absolute Dunkel nicht.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes
Osterfest,
Ihr Pfarrer Hans Günter Voß
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