Ostern 2004

GWOstern
 Auferstehung, Aquarell-Collage, Pfarrer Hans Günter Voß, April 2004



Geistliches Wort zu Ostern 2004

Unser Leben hat gute Aussichten

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß es in der Schöpfung Gottes das absolute Dunkel nicht gibt? Bewußt geworden ist mir das im Heiligen Land. Den Sonnenaufgang auf Massada am Toten Meer wollten wir erleben. Noch in tiefer Nacht kamen wir frühmorgens am Fuße des Berges an. Als wir aus dem Bus stiegen, war es noch wie man so sagt – stockdunkel. Taschenlampen blitzten auf. Höflich bat unser Reisebegleiter, die Lichter auszumachen. Wir würden ohne Licht Massada problemlos ersteigen. Und er hatte recht: Die Augen gewöhnten sich allmählich an das Dunkel, und die Dunkelheit verlor ihre Härte. Die Konturen der Menschen um uns wurden ebenso sichtbar, wie der Weg, der sich den Berg hinauf- schlängelte. Und wir sind wirklich noch in der Tiefe der Nacht, ohne jegliches künstliche Licht, den Berg Massada heraufgestiegen, um dort dann den Aufgang der Sonne zu erleben.

Das ist mir bewußt geworden: In der Schöpfung Gottes gibt es das absolute Dunkel nicht. Es gibt immer Lichtblicke, die das Dunkel durchdringen; es gibt immer Hoffnungszeichen, die über einem noch so dunklen Lebensweg eines Menschen stehen. Es gibt immer den Sternenhimmel über uns, auch wenn er manchmal von dunklen Wolken verhangen ist und wir ihn nicht sehen. Das absolute Dunkel gibt es in der Schöpfung Gottes nicht.

Deshalb konnte auch Jesus nicht im Dunkel des Grabes bleiben, in das er Kar- samstag gelegt worden war. In der Welt Gottes gibt es nicht das absolute Nichts; es gibt kein Ende, aus dem nicht ein neuer Anfang werden könnte.

Diese Erfahrungen machen die Frauen am Grab. Diese Erfahrungen machen die Jünger, die von den Frauen über das ungeheure Auferstehungsgeschehen informiert werden. Da, wo Menschen meinen, alles sei zu Ende, Hoffnung und Lichtblicke seien nicht mehr zu erwarten, da geschieht immer wieder das Unerwartete und nicht Erhoffte. Das Licht besiegt das Dunkel, das Leben besiegt den Tod.

Wenn in einen erleuchteten Raum die Dunkelheit der Nacht bricht, wird der Raum kaum dunkler. Die Dunkelheit kann das Licht nicht verdrängen. Wenn in einen dunklen Raum ein heller Lichtstrahl fällt, dann fängt das Dunkel an zu leuchten. Das Licht ist stärker als die Dunkelheit, das Leben stärker als der Tod. Das ist die Osterbotschaft, die uns erreichen möchte.

In der Schöpfung Gottes gibt es das absolute Dunkel nicht. Es sei denn, ich selber lasse keinen Lichtstrahl, keinen Hoffnungsschimmer an mich heran. Dann ist selbst Gott machtlos.

Ostern möchte uns die Erfahrung schenken: Unser Leben hat gute Aussichten, denn in der Schöpfung Gottes gibt es das absolute Dunkel nicht.


Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest,

Ihr Pfarrer Hans Günter Voß


GWOstern
Ostersonne, Aquarell, Pfarrer Hans Günter Voß, April 2004